Elfriede Jelinek über Amstetten – Inzest, Totem und Tabu

13. Mai 2008 – 00:51

Amstetten liegt in Österreich. Aber es wird Zeit, auch hierzulande über Inzest und Kindesmißbrauch in jedweder Form zu sprechen. Beispiele genug kennt das teutsche Bürgertum ja aus der Boulevardpresse – oder auch vom eigenen weghören oder wegsehen. Oder aus dem Thailandurlaub.

Aus eigener berufspraktischer Erfahrung und von vielen Arbeitenden in den sozialen und medizinischen Berufen weiß ich, daß Familien in diesem “Sozial”-Staat geradezu verführt werden, “Wählerstimmvieh” zu erzeugen, das unter gruseligen Bedingungen irgendwie überlebt. Jenseits der Menschenrechte, aber mit staatlich bezuschussten “Eltern”. Das ganze gibts natürlich auch in anderen Strukturen, wie uns Barbra Streisand (jaja, ihre Familie stammt auch aus Österreich) bereits 1987 mit ihrem Film “Nuts” aufzeigte.

Ich lernte Elfriede Jelinek 1990 kennen als Drehbuchautorin meines Seelenbruders, dem wunderbaren Werner Schroeter für seinen Film über Ingeborg Bachmann: “Malina” mit Isabelle Huppert.

Jetzt hat sie mich nicht nur literarisch, sondern auch menschlich wirklich überzeugt: Im Jahr 2004 erhielt Jelinek den Literaturnobelpreis für „den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen“.

Elfriede Jelinek schreibt aktuell über Amstetten: Sie hat einen brillianten Text zu dem dusteren Thema mit dem Titel „Im Verlassenen“ auf ihre Homepage (www.elfriedejelinek.com) gestellt. Bitte unbedingt dort lesen!

FAZ.net berichtet dazu:

“Durch die unerhörte Begebenheit sieht sie ihr Land gezeichnet. Österreich bleibt ihr naturgemäß die Bühne; denn sie ist eine österreichische Schriftstellerin, und sie verlässt die Heimat so wenig wie ihre Vorgänger, ein Nestroy, H. C. Artmann, Werner Schwab, sie je verlassen haben. Aber wie die Großen von dort, ein Rilke, Hofmannsthal (vielleicht Ingeborg Bachmann), Thomas Bernhard, hat sie einen Atem, der über die lokale Misere weit hinausreicht, in die Parabel auf das monströse Humanum. Österreich ist da lediglich die kleine Welt, die der großen Welt eine Probebühne für die Aufführung bereitstellt.”

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  1. 2 Kommentare zu “Elfriede Jelinek über Amstetten – Inzest, Totem und Tabu”

  2. Michael -  Baudax

    Gut das neben der FAZ auch die “Welt” auf den Beitrag von Jelinek hinweist.
    Den Beitrag zu lesen bewahrt vor manchen dummen Vorurteilen.

    geschrieben von Michael - Baudax am 13. Mai, 2008

  3. Doc Sarah & the Doc Blog Dogs

    @ baudax michael: genau!

    geschrieben von Doc Sarah & the Doc Blog Dogs am 13. Mai, 2008

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