Tod an der Tafel
1. September 2008 – 21:11Es gibt ja nichts, was ich in meiner Laufbahn als Ärztin im Umgang mit Todkranken, Sterbenden und deren Angehörigen noch nicht erlebt hätte. Aber es wird immer sonderlicher. Der Umgang mit Tod hier im Land.
Soviel echtes Gefühl und Begreifen der Endlichkeit, wie in dem Gedicht von W.H.Auden kommt dann auch nur als Filmzitat:
Ich habe in den frühen 80ern noch bei Elisabeth Kübler-Ross den Umgang mit sterbenden Patienten und zugehörigen Menschen gelernt. Und in vielen anderen Kulturen andere Ansätze und Werte erleben dürfen.
Der Kontext zwischen Leben und Tod und auch Liebe und Tod scheint im Neudeutschland mehr und mehr verloren zu gehen.
Grad war ich auf einer merkwürdigen Todestagsfeier, die mir mal wieder klar machte, wie wichtig es ist, über dieses Thema zu sprechen. Und ich möchte Eure Meinung dazu. Möchte wissen, was und wie Ihr über Leben, Sterben, Tod denkt. Was Ihr Euch wünscht von Euren Lieben, wenn Ihr krank seid?!
Also: A und B waren ca 2 Jahre ein Paar. Beide unter Vierzig, attraktiv, glücklich, erfolgreich. Bis dann A die Diagnose Krebs bekam und wie alle Betroffenen vom Menschen zur Diagnose degradiert wurde.
Nicht nur in der Schleuse der onkologischen Schulmedizin. Anderthalb Jahre mit zunehmend nicht mehr vorhandener Lebensqualität unter Ausschöpfung aller Angebote, an denen Pharmaindustrie und Krankheitswesen so verdienen können.
B bleibt bei A ( was übrigens keine Selbstverständlichkeit ist in solchen Situationen! ).
Und X,Y,Z sind natürlich auch noch da. Das ganze Alphabet bemächtigt sich der Diagnose. Das ist hier inzwischen leider normal.
Um A geht es dabei nicht wirklich. Nur noch darum, wie die anderen damit klar kommen. Auch das ist bei dieser Diagnose normal.
A stirbt, hinterlässt ein mehr als aufschlußreiches Buch über das alles. Es gehen Erbschaftsstreitigkeiten los ( sogenannte Familie = Blutsverwandte entpuppen sich in solchen Situationen leider meist als Monster ) und eine posthume Vereinnahmung des Menschen A, der da grad gegangen ist. Wunderbarer Grund für die das orientierungs-Los gezogen habenden “Sex-in-the-City like nicht mehr so ganz youngsters” eine Art “wir müssen uns und B ablenken Club” zu gründen. Aus A wird ein Anlass. Entwürdigend.
Aber leider normal hier.
Gipfel dann diese Todestagsfeier ein Jahr später: eine trägt finstersten Partylook, eine andere kommt auf Krawall gebürstet und knallt sich die Birne zu, ein streitendes Paar erscheint und streitet weiter an der Tafel.
B ist brüskiert, weil niemand sie abholt in ihrem Gedenken undsoweiter undsofort.
Alle sind bei sich. Nur bei sich. A ist ein Anlass. Mehr nicht.
Irgendwann dann bringe ich die Sprache auf A, das Sterben und den Tod. Kommt von XYZ sekundenlang anekdotisches und dann sind alle wieder bei sich.
Das erlebe ich hier zunehmend – solch einen unreflektierten Umgang mit dem Leid, das ein anderer durchleidet, dessen sich dann zitathaft bemächtigt wird. Meinen schwerstkranken und insbesondere Krebs- und HIV-Patienten gebe ich seit Jahren den Rat, sich genau zu überlegen, wem sie das miteilen wollen. Denn sie müssen diese Menschen dann mittragen. Susan Sontag schrieb vor Jahrzehnten ein treffliches Buch zum Thema: Krankheit als Metapher.
Bei amazon hab ich Euch eine Literaturliste zum Thema eigestellt. Nicht übers Partnerprogramm, denn ich will kein Geld damit verdienen. Also, Lektüre hier.
Ich denke, dieses Thema gehört auf Schultafeln und nicht an solche Tafeln, wie dieser absurden Partyrunde. Oder was wollen wir unseren Kindern eigentlich vermitteln?! Die anything-goes ex-und-hopp-Gesellschaft?! Wertfreie Zone?! Alles nicht schlimm, solangs Dir nicht selbst passiert?! Oder geht es uns um Mitgefühl, Achtsamkeit und Wahrnehmen ?!











19 Kommentare zu “Tod an der Tafel”
*stimmtvollzu*
geschrieben von "M" am 01. Sep, 2008
ich kenne kaum jemanden (mich eingeschlossen), der/die nicht von solchen schaurigen Zusammenkünften zu erzählen hat. von der eigenen familie und der teilweise buckligen verwandschaft bis hin zu den momenten, die man in der klinik einfängt, auch wenn man momentan nur wenige stunden dort arbeitet. und das totschlagargument “jeder trauert anders” lasse ich einfach nicht mehr gelten. ich glaube nämlich nicht, daß es bei solchen menschlichen entgleisungen um trauerreaktionen (um diese person) geht, die irgendwie kanalisiert werden müssen. ich denke, viele trauern eher um sich selbst. ums erbe, um ihre eigene bedeutung,und um selbstdarstellung.
ich finde das einfach nur zum kotzen.
geschrieben von just me am 01. Sep, 2008
…warum reagieren menschen so? sind sie alle oberflächlich? erwarten sie vom leben nur spass und die angenehmen dinge? kämpfen sie mit urängsten, die jeden menschen anrühren? ernsthafte beschäftigung mit diesem thema bedeutet auch, sich mit seinen ängsten und seinen eigenen “was wäre wenns” auseinanderzusetzen. viele bleiben aber genau da hängen und sind nur noch damit beschäftigt, dieses thema mit spitzen fingern zu händeln. und prompt geht es wieder nur um einen selbst.
ich kommentier das besser nicht mehr weiter, ich bin da etwas zu empfindlich…
geschrieben von just me am 01. Sep, 2008
Ich habe – wem auch immer sei Dank – noch nicht viele Menschen zu Grabe getragen … Aber einen – mir sehr wertvollen Menschen – habe ich das letzte Geleit vor zwei Jahren geben müssen…. Meinem besten Freund Michael.
Wir waren eine große Trauergemeinschaft und natürlich hat am Ende, nach dem viele Tränen gerollt waren, der Leichenschmaus, das Leben wieder eingeläutet.
Aber – und das war für mich das Entscheidende – in keiner Sekunde war Michael vergessen und der Tod war so nah wie das Leben, dass wir gerade wieder versuchten in den Griff zu kriegen. Im vollen Bewusstsein, dass jeder Moment, der letzte sein könnte.
Das Abschiedsessen war gefüllt von Trauer und Dankbarkeit. Dankbarkeit Michael gekannt und begleitet zu haben, Trauer in verloren zu haben und auch Freude noch am Leben teilzuhaben zu dürfen.
Michael hätte uns verstanden. Er hat so gerne gelebt und soviel Angst vor dem Sterben gehabt.
Ja, Michael hätte sich gefreut, hätte er uns sehen können.
Wir – seine engsten Freunde, seine Geschwister und Verwandten – waren quer durch alle Generationen unabhängig von der Lebenserfahrung und der eigenen Wertvorstellung zwischen Tafelfreuden, Tränen und Lachen für einen Tag vereint. Im Schmerz, im Leid und gleichzeitig in der Hoffnung.
Dafür bin ich zutiefst dankbar.
Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke. Er hat mir und vielen anderen durch seinen plötzlichen Tod beigebracht den Moment des Lebens zu erleben, zu genießen. Und doch den Tod mit einzuschließen, der endgültig ist und dennoch irgendwo nicht…
Michael ist gegangen, aber er hat kein Schlachtfeld hinterlassen, denn alle sind durch feine Bande nach wie vor verbunden. Die Trauer ist geblieben. Zwei Jahre jetzt. Die Freude auch. Denn wir haben ihn kennenlernen dürfen und wer weiß… vielleicht sehen wir uns ja wieder.
Michaels Frau ist ein Jahr vor seinem Tod an Krebs erkrankt. Sie haben einen Sohn, der heute 16 Jahre alt ist.
Michaels Frau ist meine Freundin. Meine beste Freundin inzwischen. Wir waren uns schon immer nahe, aber jetzt ist es anders. Wir sehen uns so oft wir können, denn sie lebt nicht in meiner Stadt.
Vielleicht wird auch sie sterben. Keiner weiß es.
Sie sagt, ich weiß, dass der Krebs noch in mir ist. Obwohl alles getan worden ist und sie alles tut, was denkbar ist.
Wir sprechen viel über das Leben im Angesicht des Todes.
Wir wissen, dass der Tod allgegenwärtig ist und leben doch ganz intensiv. Aber Liebe bestimmt unser Zusammensein und das ist schön.
Es ist nur ein ganz kleiner Erfahrungsschritt, der materialistisch orientierten Zivilisation den Rücken zu kehren und der Empathie neuen Raum zu geben.
Ich verbeuge mich vor dem Tod, der mir die Möglichkeit gibt, Leben und Liebe zu erfahren.
Denn als ich Michael aufgebahrt sah, da wusste ich, dass die Energie, die seinen Körper belebt hatte, nicht verloren ist. Seine individualisierte Persönlichkeit mag für uns verloren sein, seine Energie schwingt aber immer noch mit.
Diese Energie ist niemals verloren und egal wo immer sie sich nun befindet, sie ist und bleibt..
geschrieben von Marille am 02. Sep, 2008
ein sehr schöner Kommentar, liebe Marille!
geschrieben von just me am 02. Sep, 2008
liebe marille, danke für deinen kommentar. zeigt er doch, daß es auch anders geht.
aber leider ist das hier eher die ausnahme. siehe kommentare von “just me”..
geschrieben von Doc Sarah am 02. Sep, 2008
Liebgewordene Menschen zu verlieren ist die eine Seite. Ich habe vor 10 Jahren meine Frau verloren, sehr früh auch meine Eltern, auch Freunde, ich bin also mit dem Tod sehr oft konfrontiert worden.
Wenn wir lernen Abschied zu nehmen, Sterben und Tod ins Leben zu integrieren sozusagen als „ars moriendi“ =
Kunst des Sterbens = Lebenskunst. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie gehen wir im / nach dem Abschied miteinander um? Unterliegen wir nicht schnell der Versuchung, sterbende Menschen als „Fall“ zu sehen – und ihn (auch oft der Arzt) zu behandeln? Sind wir aufrichtig bereit, die Würde des anderen bis zum Schluß zu wahren, auch wenn Krankheit, körperlicher und seelischer Verfall seine Wahrnehmung mindern und auch sein Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt ist? Wenn ja, wenn die Würde des Menschen auch nach dem Tod gewahrt wird, dann sollte es keine Auseinandersetzungen über das Vermächtnis geben.
Die andere Seite aber ist , wie gehe ich mit dem eigenen Sterben um? Seneca bemerkte einmal sehr trefflich: „Das Leben muss man das ganze Leben lang lernen, und was dich vielleicht noch mehr erstaunen mag, das Leben lang muß man Sterben lernen“ und an anderer Stelle „….denn darin irren wir, daß wir den Tod nur als etwas Zunkünftiges erwarten: Er ist zum großen Teil schon vorüber – alles was von unserem Lebensalter hinter uns liegt, hat der Tod in den Händen.“ Und Paulus (Römer
: „Wir sterben den ganzen Tag.“
Wir müssen lernen Abschied zu nehmen, Sterben und Tod ins Leben zu integrieren sozusagen als „ars moriendi“ = Kunst des Sterbens = Lebenskunst. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie gehen wir im / nach dem Abschied miteinander um? Unterliegen wir nicht schnell der Versuchung, sterbende Menschen als „Fall“ zu sehen – und ihn (auch oft der Arzt) zu behandeln? Sind wir aufrichtig bereit, die Würde des anderen bis zum Schluß zu wahren, auch wenn Krankheit, körperlicher und seelischer Verfall seine Wahrnehmung mindern und auch sein Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt ist? Wenn ja, wenn die Würde des Menschen auch nach dem Tod gewahrt wird, dann sollte es keine Auseinandersetzungen über das Vermächtnis geben.
Der Tod ist eben nicht das endgültige Ende oder gar Vernichtung, sondern vielmehr im Goetheschen Sinne
„STIRB und WERDE“.
Marilles wunderschöner Kommentar beweist, dass es so geht
geschrieben von Michael - Baudax am 03. Sep, 2008
Der Smiley hinter “Römer” war NICHT beabsichtigt, er ergab sich durch die Zeichensetzung!
geschrieben von Michael - Baudax am 03. Sep, 2008
Bitte um Entschuldigung, dass beim Reinkopieren ein Absatz doppel erschienen ist.
geschrieben von Michael - Baudax am 03. Sep, 2008
… ich wünsche mir eine Beerdigung als Gedenken an die verstorbene Person, eine Würdigung der Persönlichkeit. Als meine Mutter starb, habe ich alte Fotos mitgebracht zum “Leichenschmaus” und wir konnten uns an Erlebnisse mit ihr erinnern. Finde, das können durchaus auch fröhliche Momente sein.
So eine wie oben beschriebene 1-Jahres-Trauerfeier scheint mir so überflüssig wie ein Kropf. Es zeigt aber, wie schwer das Trauern fällt und wie leicht Verdrängung funktioniert.
Hoffe, das muss ich nicht sehen, wenn ich mal vom Himmelzelt auf meine eigene Beerdigung hinunter blicke
Annja
geschrieben von Annja Weinberger am 03. Sep, 2008
Das ist ein riesengroßes Thema, wo fängt es an, wo hört es auf? Der achtsamer Umgang… das hört sich so leicht an. Als unsere Mutter sich verabschiedet hat, war das in unserer großen Familie nicht so ganz einfach mit dem achtsamen Umgang. Es gab die, die Recht bekommen wollten und die die verstanden haben. Es geht ums verstehen, nicht um Recht bekommen. So gab es in der Kapelle um den Sarg die vielen Kränze und Blumen mit dem Schleifenband, war alles ganz schön. Und vor dem Sarg lag ein Rosenherz ohne Band, einfach so. Das war anders, ganz anders. Hell, leuchtend ganz zart, Farben wie zu einer Geburt. Man sah es nicht auf den ersten Blick. Neben mir sagte jemand: Wie schön, sie liegt auf Rosen gebettet. Und über Rosen wurde unsere Mutter zum Grab getragen. Ich habe aus meinen Tränen kein Geheimnis gemacht. Unsere Mutter hat sechs Kinder geboren, war 50 Jahre verheiratet. Sie hatte unterschiedliche Begleitung… teilweise mit wachem Verstand nicht anzusehen, aber alle meinten es gut. Unsere Mutter hatte verstanden, sie hat sich auf den Tod vorbereiten können und die, die auch verstanden haben konnten Abschied nehmen…. mit kleinen zarten Rosen.
geschrieben von Annette am 03. Sep, 2008
Sterben und Tod, Umgang mit dem Tod hat für mich sehr viel damit zu tun, welche Werte wir in unserer Gesellschaft haben. Was ist uns wichtig? Eine Gesellschaft definiert sich darüber, wie sie mit alten/kranken Menschen umgeht – ein Zitat dessen Urheber ich nicht mehr weiß.
Welchen Wert haben alte und kranke Menschen in unserer schnelllebigen Gesellschaft? Und wie gehen wir mit diesen Menschen um. Wir delegieren Hochaltrigkeit und Gebrechlichkeit und ebenso das Sterben an Institutionen. Nur noch in wenig ländlichen Gebieten haben diese Menschen einen Halt in der Familie. Und jeder hat ein schlechtes Gewissen dabei, seine Angehörigen in diesen Institutionen zu wissen. Denn es sind Institutionen, es ist kein DAHEIM – bei durchaus unterschiedlicher Qualität der einzelnen Betriebe. Ich bin überzeugt und auch der Meinung, dass Sterben schon von Kindesbeinen an ein Thema sein sollte. Wie können wir uns mit dem Leben vertieft auseinander setzten wenn wir Sterben und Tod nicht in unser Leben integrieren?
Das beschriebene Beispiel von Sarah zeigt, dass wir keine Sterbekultur (mehr) haben.
geschrieben von Renate Wapplinger am 03. Sep, 2008
Liebe Sarah,
Du sprichst ein sehr wichtiges Thema an. Im Umgang mit Krankheit, Siechtum und Sterben haben wir keine Übung und die Angst davor macht, dass es zu solchen Entgleisungen (an der Tafel) kommt.
Ein Bewusstsein darüber zu entwickeln, dass wir alle im Angesicht des Todes leben, lässt uns das Leben noch mehr wertschätzen. Danke Dir für Deine inspirierende Bücherliste zu diesem Thema.
Ingrid
geschrieben von Ingrid Meyer-Legrand am 03. Sep, 2008
@ annja, michael baudax, renate und ingrid: danke für eure kommentare auf den punkt!
lernen wir also: das leben und das sterben.
es ist hier zeit, uns für lebens-, sterbens- und überhaupt KULTUR im ethischen sinne einzusetzen. eben gegen den mainstream der “cooltour”…
geschrieben von Doc Sarah am 03. Sep, 2008
Liebe Frau Dr. Schons,
ich finde es wunderbar, dass Sie sich auch für ein würdiges Sterben einsetzen. Viele Mediziner betrachten ja den Tod als Feind und versuchen mit aller Macht, ihm noch ein bisschen Lebensverlängerung abzuringen. Sie haben verstanden, wie Tod und Leben zusammen gehören. Danke für Ihren Beitrag und Ihre Bücherliste. Auf der folgenden Liste sind ebenfalls einige Titel, die sich mit Tod, Sterben und Trauer befassen.
http://www.amazon.de/50plus-und-ihre-Eltern/lm/RSOVT4LQWLX5V/ref=cm_lm_byauthor_title_full
geschrieben von Monika Birkner am 05. Sep, 2008
danke für ihren kommentar und die wirklich sehr gute bücherliste, liebe frau birkner!
geschrieben von Doc Sarah am 05. Sep, 2008
Oh, das würde ich gerne machen. Kann das nicht mal jemand anschubsen ? Es gibt so vieles an Schulen was gelehrt wird, manches fehlt, wie z.B. Ernährungslehre, Gesundheit, Entspannungs-
techniken…… so viel.
Was ich eigentlich erzählen wollte:
Meine Mutter erkrankte, erstmals in ihrem Leben (70)im Sommer mit Wahnvorstellungen, zunächst über Langstrecke mit Neuroleptika stationär behandelt, eher schlimmer als besser
werdend. Dann, muß so um den 20.10. gewesen sein, endlich Umstellung auf Antidepressiva,
war überhaupt kein Problem im Web ein bissel zu recherchieren und “schwere depressive Episode
mit Wahnvorst..” zu finden, genauer sehr passend zu finden. Zehn Tage später, mit Erlaubnis, das erste Mal nach drei Monaten am WE nac Hause zu dürfen, holt mein dad sie ab und fährt mit ihr zum friseur, er bringt sie zurück, fragt ob er sie auf die station bringen soll. Sie hatten so einen fröhlichen, sonnigen Vormittag und sie sagt: “Ach Quatsch, ich kenn doch jetzt den Weg.” Er geht fort, sie geht ins Haus, dreht sich, kippt ungebremst nach hinten um und stirbt sieben stunden später in der Uni.
Diesem Arzt der sie operiert hat und der mit
meinem dad und mir sprach, habe ich gemailt und ihm gedankt. Er war so klar und geradeaus uns zu sagen, daß sie keine Chance hat, daß sie schnell sterben wird. So hatte ich die Chance
meinen dad, der nur noch weg wollte, nach hause zu bringen. Ich wäre gern bei ihr geblieben, aber konnt mich ja nicht teilen. Als ich später dann nach dem Anruf zu ihr kam, war es als hätte sie den Turboexpress genommen in diesen teil des universums den wir nicht besuchen können, eh wir nicht tot sind. Spät abends irgendwann wieder zu hause, ich setz mich auf mein Bett und meine Kerze geht aus. In diesem Moment hat nebenan der kleine Joelle (wundervoller kleiner Buddha, Sohn von Freundin meiner Tochter) in die leere Zimmerecke gewunken. Hört sich verrückt an, aber ich glaube meine Ma hat dieses Winken durch Winken
verursacht….. Da ist sooo viel mehr, was wir nicht wissen, aber wir können lernen es besser zu sehen. Alles ist perfekt und das Universum ist genial. Wird zu lang zu erklären, warum ich so sicher bin. Vielleicht ein andermal mehr….
Liebe Gruesse
geschrieben von Petra Vie am 30. Nov, 2008
@ petra: dank dir für diesen kommentar! und ja, wir sollten an die schulen resp. kultusministerien. es wird so viel ballast gelehrt und so wenig wesentliches…
geschrieben von Doc Sarah am 02. Dez, 2008