Leben im Jetlag

5. Mai 2007 – 13:43

FledermausWer mich kennt, der weiß es: ich bin eine „Eule“ (oder besser „Fledermaus“) – keine „Lerche“…

Und lebe dadurch hier im „Dauer-Jetlag„. Wie so viele Menschen in unserer Gesellschaft auch. Denn: unsere innere Uhr tickt nicht nach MEZ – wir Eulen leben ständig entgegen unsrer Anlagen. Umerziehung sinnlos – die circadiane Rhythmik ist genetisch verankert.

So ist s kein Wunder, daß ich mich seit Jahren der Chronobiologie verschrieben habe. Und der Chronomedizin – einem der spannendsten Forschungszweige der Medizin.

Eine gute Einstiegslektüre dazu ist Leben mit der inneren Uhr.

Für Eulen und Lerchen gelten andere Gesetze bei der optimalen Lebensführung – und auch Nährstoff und Medikamenten-Einnahme. Fautek erklärt das in seinem leichtverständlichen Werk sehr anschaulich.

Auch Das Uhrwerk der Natur. Chronobiologie – Leben mit der Zeit. ist ein gut verständliches Grundlagenwerk zum Thema.

Unser „moderner“ Lebensstil weicht für alle Menschen immer mehr ab von dem, was unsere inneren, biologischen Uhren uns vorgeben.

Wir verbringen immer mehr Zeit in Innenräumen, wo die Lichteinstrahlung selten höher als 500 Lux liegt. Ein bedeckter Himmel im Freien hat aber immer noch bis zu 8.000 Lux und ein Sonnentag sogar bis zu 100.000 Lux.

Das heißt: wir alle leben quasi im Dunkeln und unsere biologische Uhr, die sich täglich neu „Eichen“ muß, weiß gar nicht mehr, woran sie ist. Auswirkungen können sein: Schlaf- und Essstörungen, Energielosigkeit bis hin zu schweren Depressionen.

Andere Länder haben schon Rücksicht darauf genommen:

UhuZum Beispiel bei Jugendlichen, die während der Pubertät tendenziell alle Eulen sind, führte eine Verschiebung des Schulbeginns nachweislich zu allgemeiner Leistungs- Verbesserung und besserem Gesundheitszustand.
In Deutschland vegetieren chronisch übermüdete Schulkinder, deren innere Uhr noch auf „Tiefschlaf“ steht, morgens an den Haltestellen.

Zum Beispiel in Spanien läuft der „Alltag“ und die Business-Welt erst ab 10 Uhr richtig an… (da gings mir besser.. 🙂 )
In Deutschland gilt der „Früharbeiter ab 7“ als fleißig – alle spätaufstehenden Nachtarbeiter als faul oder Bohemien

Für die Literaten unter Euch LeserInnen: für mich immer gültig ist der einzigartige Monolog über die Bedeutung der Nacht meines Kollegen Dr. O´Connor in Nachtgewächs von der legendären Eule Djuna Barnes.
(Literatur-Empfehlung natürlich wieder von Doc Blog Dog Lady Achi of Avalon an die Blogosphere)

Darf Euer Blog Doc eine Eule sein?
Sind Blogger überwiegend Eulen oder Lerchen? Und was seid Ihr?

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