Danke, Ulla! Deutsches Krankheitswesen aktuell. Notfälle schlampig versorgt.

2. Juni 2008 – 00:21

Meerbusch-Büderich, heut abend. Nach einem langen Hundespaziergang. Ich sitz mit meinen beiden besten Freundinnen im wunderbaren Gasthof Burchartz. Wir essen üppig lecker und trinken – alkoholfrei natürlich. Plötzlich kippt die eine gegen mich, verdreht die Augen und ist weg. Kreislaufwetter sollte mensch glauben. Aber sie entfärbte sich zu rasch. Ich fühlte erst noch ein deutliches Flimmern ihrer Herzfrequenz. Dann Stillstand. Keine Atmung. Klinisch heißt das: tot. War sie auch. Tot.

Einige brutale „präkordiale Faustschläge“ und Herzmassagen später war sie wieder da. Ich hoffe, ich hab ihr nichts gebrochen dabei. Glücklicherweise waren auch noch zwei erfahrene Krankenschwestern unter den Gästen – alles lief gut. RTW und Notarzt kamen zügig.

Und was macht der alternde Notarzt?! Ohne jegliche Untersuchung und ohne richtig zuzuhören, was da eigentlich passiert war, läßt er die Patientin aufstehen!!! Der hält sich wohl für Jesus in Verkleidung. Obwohl die Rettungssanitäter schon mit der Liege und EKG parat stehen. Klar kippt sie wieder um. Das war der erste Kunstfehler des Systems – in Form eines unverantwortlich handelnden Notarztes.

Wird in ein Provinzkrankenhaus eingeliefert. Dort stellt man „Unterzuckerung“ fest. Mit einem Blutzucker von 70. Ohne Worte – denn für den Gesunden ist das kein Wert, um umzufallen und einen Herzstillstand zu kriegen. Hängt Glucose Infusionen an – und mit einem Blutzucker von nunmehr 83 wird die Patientin entlassen. Kardiologische Diagnostik, insbesondere Infarktdiagnostik erfolgt nicht. Sie solle dann den Zucker mal abklären lassen… Der zweite dicke Kunsfehler des Systems. Versagen der Klinik.

Es ist ein Skandal !!! Die Patientin ist kassenversichert und die Klinik hat getan, was die deutschen Krankheitsgesetze dank Ulla Schmidt vorschreiben. Bzw. was die Kassen für ihre Versicherten bezahlen. Die vielbesungene Qualität der Patientenversorgung. Ein Scheißdreck!

Eigentlich gehört meine Freundin heute Nacht klinisch überwacht und kardiologisch abgeklärt.. Würde sie auch, wenn sie privat versichert wäre. Aber das schmidtseitig diktierte teure Kassengeld finanziert halt lieber die ganzen gesundheitsunbewußten Schädlinge und Nicht-Beitragszahler mit. Da reicht´s dann nicht für die adäquate Versorgung gesundheitsbewußt lebender Menschen. Danke Ulla und fliegentragender Professor (UN)Lauterbach.

Vielleicht überlegt sich jetzt auch meine Freundin, ob sie sich nicht besser privat versichert. Als überzeugte Unterstützerin der Solidargemeinschaft (Unternehmerin und Chefin von 18 Angestellten) hat sie trotz derselben heute glücklicherweise überlebt. Und das liegt nicht am kranken System, sondern an den glücklichen Umständen der Primärversorgung. Also vor dem staatlich bestalltem „Notarzt“ und der restlichen Systemeinwirkung auf sie.

Dickes Danke nochmal an die beiden wunderbaren Krankenschwestern, meine 3 Traumhunde, die voll dabei waren, dem Gasthof Burchartz und meine anderen besten Freundin, die seit 19 Jahren die Lebensgefährtin meiner Freundin ist. Mein Lieblingstraumpaar. Die einzige Verbindung, die ich so lang so glücklich sehe übrigens. Keine Ehe meiner heterosexuellen Freunde hat so lang so gut gehalten. Aber der besagte Notarzt kriegte Schluckstörungen, als er ob seiner harrschen Frage: „und wer sind SIE?!“ hörte: „die Lebensgefährtin“. Da ließ er doch glatt die gebeutelte Patientin aufstehen – gegen jede Regel der ärztlichen Kunst. Und sofort war ich auch nicht mehr primärversorgende Kollegin, sondern Ausschuss. Weil sie meine Freundinnen sind.
Das war kein Notarzt sondern ein systemkonformer Notarsch.

Ich werde den Notarzt und die Klinik bei der Ärztekammer wegen übelster „malpractice“ verklagen. Es trifft allerdings die Falschen. Denn im Grunde ist Ulla Schmidt Schuld mit ihrer Rationierung der „Gesundheitsleistungen“. Und die sogenannte Solidargemeinschaft. Das Wählervolk. Ja, alle wollen alles haben, aber nix dafür tun und reintun. So sieht das dann aus in der Wirklichkeit ausserhalb von Talkshows und Ansprachen der Frau Ministerin…

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  1. 26 Kommentare zu “Danke, Ulla! Deutsches Krankheitswesen aktuell. Notfälle schlampig versorgt.”

  2. tux.friend

    ups, das war ja echt :((

    in meiner naiven art, halt pinguin, dachte ich solche extremen auswüchse würden nur fürs fernsehen geschrieben. von daher plädiere sofort und uneigeschränkt für die dorflösung :))

    jetzt fehlt mir nur noch wo unser doc den sein dorf aufbaut, damit ich das beim nächsten umzug berücksichtigen kann :))

    geschrieben von tux.friend am 03. Jun, 2008

  3. miss_z

    Hi Sarah,

    erstens: mein Mitgefuehl fuer Euch; einen Freund zu reanimieren, finde ich wirklich heavy.

    zweitens: ich bin ja selbst LNA. Koennte Dir noch so ein paar Geschichten beisteuern. Gewundert hat mich das jetzt nicht, nur wieder mal erschuettert.

    drittens: es hat vielleicht mehr Wirkung, wenn Du den LNA des Bezirkes direkt kontaktierst. Egal, ob das ein Freund des Notarztes sein kann oder nicht. Die Fuehrung des NA- Dienstes nimmt jede Beschwerde bierernst. Ernster als vielleicht eine Aerztekammer.

    Lg nach Avalon,
    miss_z

    geschrieben von miss_z am 03. Jun, 2008

  4. Doc Sarah

    danke für den tipp, miss_z – so mach ich das! anzeige an die ärztekammer ist heute raus. LNA mach ich morgen. und deine geschichten gerne per tel oder mail!

    geschrieben von Doc Sarah am 03. Jun, 2008

  5. Coletta

    Liebe Sarah,
    was für eine Geschichte! Ich bin entsetzt. Hier auf Mallorca fragt die Ambulanz wenigstens, in welche Klinik jemand möchte. Ich hoffe, Deiner Patientin wird nun gut geholfen. Und ich hoffe, dass der Glaube an die „beste Versorgung“ in einer Uniklinik etwas erschüttert wird. Ohne aktive Helfer die sich so einsetzen wie Du ist man ganz schön hilflos als moderner Patient!
    Mach weiter so!!!
    Liebe Grüße
    Coletta

    geschrieben von Coletta am 04. Jun, 2008

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